Isolation und soziale Vereinsamung – Ist mein Kind [computer]süchtig?

Veröffentlicht: 11. Juni 2013 in Kinder, Recht und Ordnung, Spots
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Die Flut der Medien ist kaum noch zu bewältigen – für Eltern wie für Kinder

Durch die weltweite, mediale Vernetzung von Millionen von Menschen ist eine echte, direkte Kommunikation mit anderen nicht mehr notwendig. Unsere Kids können der realen Welt mit ihren lebendigen Beziehungen ganz einfach entfliehen und müssen sich darin gar nicht mehr zwingend zurechtfinden. Es herrschen beste Voraussetzungen, um in die virtuelle Welt einzutauchen und dort eben auch einen Großteil seiner Zeit, also des noch jungen Lebens zu verbringen. Kinder vereinsamen und isolieren sich von der Außenwelt, teilweise sogar ganz bewusst, sei es aufgrund von Problemen wie Übergewicht oder einfach, weil zocken „in“ ist. In der virtuellen Welt sind sie ohne Gesicht und ohne das direkte Gegenüber ganz einfach ungehemmter. Und das macht Spaß!

Das wohl größte Suchtpotenzial bilden Konsolen-, Internet- und Computerspiele wie zum Beispiel „World of Warcraft“ (WoW). Dieses Spiel wird im Fernsehen von Testimonials wie den Fantastischen Vier oder Mr. T als „cool“ beworben (gut, die Spots sind schon etwas her). Gleichzeitig hat dieses Spiel einen zweifelhaften Ruf, der ihm weltweit große Aufmerksamkeit zuteil werden lässt: Es ist nicht nur zeit- und geldaufwändig, sondern es macht süchtig. Über kaum ein Spiel wird mehr diskutiert, auch wenn es sich hierbei nicht einmal um eins der sogenannten  Killerspiele handelt. Jeder WoW-Spot zeigt die eben genannten Stars und ihre virtuellen Ichs beim Spiel. Am Ende eines jeden Spots wird die Frage gestellt: „Was spielst du?“ Ein Kind, das hierfür empfänglich ist, soll sich fragen: Ja, was spiele ich denn eigentlich?? Aber auch Online-Portale wie Facebook werden von Schulkindern gern genutzt, um eben auch nachmittags in Kontakt mit den Klassenkameraden und Freunden zu bleiben. Leider können Eltern hier oft nicht mit reden, weil sie kaum oder gar keine Medienkompetenz besitzen :(

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Welche Kinder sind besonders gefährdet und warum? Die Medienbindung ist bei vielen Kindern ausgeprägt. Sie sehen (fast) alle gern fern und sie spielen genau so gern mit Computern und Konsolen oder surfen im Netz, aber nicht jedes davon entwickelt sich zu einem Süchtigen. Sind es vielleicht die Eltern oder die heutige Gesellschaft, die ihre Kinder zu sehr vor Problemen und Fehlern schützen will?Liegt es an der alögegenwärtigkeit der Technik?

Es gibt Kids, bei denen ganz klar auffällt, dass sie prädestiniert zum übermäßigen Medienkonsum sind. Wenn hier zusätzlich keine Grenzen gesetzt werden, verschlimmert sich die anfängliche Auffälligkeit durch die sich „gegenseitig verstärkende Erlebens- und Verhaltensschleife“:  Durch ihr suchtgeprägtes, bereits auffälliges Verhalten sind sie anderen Kindern gegenüber gereizt und aggressiv. Verhalten die anderen sich nicht so, wie das auffällige Kind es sich wünscht nicht, wird geschrien und gehauen. Dadurch gehen bestehende Beziehungen zu Klassenkameraden in die Brüche und die einzige Beschäftigung, die noch bleibt, ist der Medienkonsum.

Nach Schulte-Markwort betrifft das vor allem Kinder, die zum Beispiel auffällig verwahrlost, unsicher oder auch kontaktscheu sind….Hä? Eine derartige Generalisierung ist gerade bei der Prävention absolut nicht hilfreich. Die Medien-Initiative „Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht“ hat diesbezüglich die „10 goldenen Regeln für Eltern“ entwickelt. Mit Hilfe dieser Regeln können Eltern aktiv Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder nehmen und so verhindern, dass aus dem Suchtpotenzial ein Suchtverhalten entsteht. Einige dieser recht hilfreichen Regeln sind:

  • Vereinbart mit eurem Kind klare Regeln und Zeiten zur Computernutzung. Achtet bitte auch auf die Einhaltung dieser Abmachung (!!!!)
  • Beobachtet, mit wem, wo und wie oft Ihr Kind Computerspiele nutzt!
  • Nutzt den Computer nicht als Belohnungs- oder Bestrafungsmittel und missbraucht ihn v.a. nicht als Babysitter!

Es wird deutlich, worin die Probleme liegen und wie leicht Eltern Fehler machen können. Die Folgen ihres Handelns sind oft weitreichend und nur unter großen Anstrengungen zu korrigieren. Computersüchtige Kinder sind nur schwer in der Lage, normal außerhalb des Computerspiels zu leben und zu denken. Wie auch bei jeder anderen Sucht fallen die schulischen Leistungen ab und Auseinandersetzungen mit anderen Kindern können nur noch durch aggressives Verhalten bewältigt werden. Pubertierende Kinder gehen wichtigen Entwicklungsaufgaben aus dem Weg und sind bei dem späteren Übergang in das erwachsene Leben überfordert.

Das große Problem hierbei ist, dass man Computersüchtige nicht unbedingt erkennt. Drogenabhängige fallen dadurch auf, dass sie herumtorkeln, stehlen und „asozial durchhängen“. Diese Art der psychischen Abhängigkeit ist empirisch umfassend belegt und erforscht. Zur Ermittlung der Dunkelziffer der computersüchtigen Kinder sind jedoch aufwändige Erhebungen notwendig. Solange aber die Aufmerksamkeit und das Interesse dafür bei den Eltern, der Regierung und den Schulen fehlt, wird die Anzahl der Mediensüchtigen Kinder auch nicht zurückgehen.

Daher möchte ich allen Eltern den Titel der eben erwähnten Initiative noch einmal ans Herz legen: SCHAU HIN, WAS DEIN KIND MACHT!

Eure Jane

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