Arbeiten mit Kindern – Was gibt es da bloß alles zu beachten?!

Veröffentlicht: 3. April 2013 in Kinder, Recht und Ordnung, Werbung / Marketing
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Der Paragraphendschungel – sorgt stets für Verwirrung

Worauf sollte man bei Agenturen achten  und was bedeutet eigentlich „ Drehgenehmigungsfrei“?

Ich war mal wieder für euch unterwegs, diesmal ‚im Namen der Gerechtigkeit‘. Neben den Recherchen zur Sicherheit im Netz habe ich mich ausführlich über die Arbeit von seriösen Agenturen informiert. Hierfür habe ich u.a. mit Christiane Dreikauss von der New Talent Agentur gesprochen. Sie gab mir einige wertvolle Tips, die ich hier an euch weitergeben möchte. Bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gibt so vieles, das zu berücksichtigen ist. Hier kommen nun also ein paar Infos darüber, worauf man achten sollte und was es mit dieser Drehgenehmigungsfreiheit auf sich hat.

Teil 1: Worauf sollte man bei Agenturen achten? Was ist dagegen nicht zu empfehlen?

Eine gute Agentur bietet Eltern ein umfassendes und informatives Agenturgespräch an und arbeitet mit ausgesuchten Darstellern und hat dementsprechend auch nicht Tausende Darsteller oder Models in ihrem Pool. Wenn eine Agentur fast jeden [für Geld] aufnimmt, kann man erahnen, dass eine gute, umfassende und individuelle Betreuung nicht gewährleistet werden kann. Eine seriöse Nachwuchsagentur ist  an schauspieltalentierten und vermittlungsfähigen Kindern und Jugendlichen interessiert. Die Agentur sollte also als erstes die Vermittlungschance für einen potenziellen Schützling einschätzen. Dafür müssen die Kinder vorsprechen oder vorspielen. Derartige Vorsprechen sollten jedoch kostenfrei sein, d.h. ohne Vorabgebühren wie z.B. Fotopflichtgebühren, Medienpauschalen oder Setkartenpflicht.

Aus Agentursicht ist das natürlich sehr lukrativ. Kurzum, es sollte der Arbeitseinsatz einer Agentur sein, neue und gute Talente zu finden und auch eine Auswahl zu treffen, wen sie betreuen und mit wem sie zusammen arbeiten. Also liebe Eltern, hier ist kritisches Hinterfragen durchaus angebracht. Mehr Informationen zu der rechtlichen korrekten Agenturprovision findet ihr weiter unten.

Was ist nun also nicht zu empfehlen?
Es gibt Agenturen, die herumreisen. Entweder von Stadt zu Stadt, Hotel zu Hotel, oder auch Indoorspielplätze und Einkaufszentren werden bereist. Solche Castings sind nur bedingt empfehlenswert. Dort wird oft  nur ein Foto gemacht und dafür wird dann Geld genommen.  Hier warnen die Verbraucherzentralen immer wieder. Kostenpflichtige Vorabgebühren wie z.B. Aufnahmegebühren; Fotopflichtgebühren o.ä. sind nicht zu empfehlen. Auch Internetagenturen sind grundsätzlich nicht zu empfehlen!

Manche Agenturen lassen sich nach einem erfolgreichen Besetzungsvorgang die Gage, welche eigentlich dem Darsteller zusteht, auf ihr Agentur-Konto von der Produktion überweisen. Das ist nicht üblich! Hier werden die Darsteller- Eltern bewusst unwissend gelassen und Auszahlung nicht korrekt oder auch zeitverzögert weiter gegeben. Gerade bei Werbefilmvermittlungen kommt es auch vor, das ein Spot oder eine Printwerbung verlängert vom Kunden gebucht wird, so das es noch bis 1-2 Jahren zu weiteren Auszahlungen, sogenannten Buyouts, kommen kann.

Achtet also darauf, dass die Gage, die euch bzw. euren Kindern zusteht, auch direkt auf Euer Konto überwiesen wird. Bei Unstimmigkeiten wendet euch nach einer Besetzung direkt an die zuständige Produktion.

Teil 2:Was bedeutet eigentlich „Drehgenehmigungsfrei“?

Die Grundlagen habe ich ja schon einmal unter Werbung mit Kindern aufgelistet. Kinder, die arbeiten sind je nach Alter an bestimmte rechtliche Vorgaben gebunden. Das wissen wohl sogar die Kleinsten. Was aber kaum jemand kennt, ist ein wichtiger, mir bis zu meinem Gespräch mit NewTalent ebenso unbekannter Begriff. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Drehgenehmigungsfreiheit. Was eine Drehgenehmigung ist, kann man sich denken und auch, was Drehgenehmigungsfrei bedeuten könnte. Was das aber im Einzelnen wirklich heißt, ist aus den Gesetzen nicht zu ersehen.

Grundlage bildet hier das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), in dem die Arbeitszeiten festgelegt sind. Zur Wiederholung: Kind im Sinne des JArbSchG sind Kinder bis Ende 15. Lebensjahr und Jugendliche vom 16. – 18. Jahr. [Das wird dort immer etwas unsinnig beschrieben. Alles über 6 heißt zum Beispiel: alles ab 7!] Nun ist es so, dass Jugendliche, die 15 sind und die 9. Klasse noch nicht abgeschlossen haben, zur Gruppe der Kinder gezählt werden. Damit dürfen sie maximal bis 22 Uhr arbeiten und bis zu 3 Stunden täglich.

Drehgenehmigungsfrei sind nun die Jugendlichen ab Beginn des 16. Lebensjahres bzw. auch diejenigen, die die 9. Schulklasse absolviert haben. Das gilt zumindest für Hamburg, in anderen Bundesländern kann es auch die 10. Klasse sein! Das ist für TV-und Filmproduktionen in den Besetzungsvorgängen ein sehr wichtiges Kriterium und ausschlaggebend bei der Entscheidungsfindung. Bei der Arbeit mit einem Jugendlichen, der drehgenehmigungsfrei ist, sind die Vorschriften viel weniger straff und die Produktion ist nicht mehr an die rechtlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten mit Kindern gebunden. Sie dürfen mit den Jugendlichen ganze acht Stunden am Set arbeiten und am Abend bis 23:00 Uhr.

Kurzum, sie können mit dem jungen Darsteller viel länger arbeiten und sparen teure Drehtage! Verständlich, denn auch TV- und Filmproduktionen müssen sparen! Daraus resultierend suchen beauftragte Caster/innen für die zu besetzenden Kinderrollen schauspieltalentierte Jugendliche ab 16 Jahre, die eine erheblich jüngere Alterswirkung haben! Gut zu wissen: Nur wer 18 Jahre alt ist, darf Nachts ab 23:00 Uhr drehen! Wenigstens das ist mit Kindern und Jugendlichen grundsätzlich verboten!

Kinder, die noch nicht drehgenehmigungsfrei sind und die für eine Produktion (egal ob TV-, Film- oder Werbeproduktion) arbeiten, muss ein Antrag auf Bewilligung beim Amt für Arbeitsschutz gestellt werden, damit Kinder & Jugendliche bis 16 Jahre drehen dürfen. Hier müssen Erziehungsberechtigte, Arzt, Schule und das Jugendamt zustimmen. Der Antrag wird dann beim Amt für Arbeitsschutz eingereicht und idealerweise wird eine behördliche Bewilligung gegeben, die dann bei der Produktion vorgelegt werden muss. Liegt keine Bewilligung vor oder wird diese gefälscht, kann das rechtliche (und teuere) Konsequenzen haben.

Zusätzlich ist noch zu sagen, dass auch eine Nachwuchsagentur einer finanziellen Reglementierung unterliegt. Wird gegen diese Reglementierungen verstoßen, droht der Verlust des Provisionsanspruches und es besteht sogar das Risiko, das bereits geleistete Provisionen zurückgefordert werden. Auch mündliche Abreden und Vermittlungen sind unwirksam laut § 297 Abs. 1 SGBIII. Weitere Informationen findet ihr im Auszug „Agenturen Extra“ aus Cast – dem Schauspieler Magazin 2/2010. Nur bei Werbefilmvermittlungen, seien es Fotos oder auch Werbefilme gibt es sogar 20% Agenturprovision für die Agentur. Diese Agenturprovision bei Werbung bezahlt übrigens immer der Kunde, der den Spot beauftragt hat. Leider berechnen einige Agenturen diese Provision noch mal dem Darsteller, d.h. sie verdienen doppelt.

Fazit des Ganzen: Lasst euch grundsätzlich – egal ob Werbe- oder TV-Filmproduktionen – immer Verträge vor Drehbeginn von eurer Agentur aushändigen und prüft diese genau. Ihr müsst eure Rechte, aber auch eure Pflichten kennen. Ihr als Erziehungsberechtigte seid schließlich auch die, die in Haftung genommen werden, nicht die zu vermittelnde Agentur!

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